Standort: Ortsplatz, 4331 Naarn im Machlande
Auftraggeber: Marktgemeinde Naarn
Planungsdaten: 2000 – 2008
Baubeginn: 04/2009
Bauübergabe: 09/2009
Fotos: Kurt Hörbst
Ausgangssituation 1998
Die Ortsmitte von Naarn, einer 3000 Einwohner Gemeinde ist geprägt von einer Landesstrasse, die an der breitesten Stelle 12 misst. Mit unzähligen Barrieren, ungenutzten Restflächen und gestaltungslos zeigt sich die Ortsmitte ungeordnet und willkürlich. Im Jahr 1999 formieren sich engagierte Bürger für einen Umbau des Ortszentrums und beauftragen eine Planung. Größtes Anliegen der Planung ist es, die Geschwindigkeit des Durchzugsverkehr und die dem Auto gewidmeten Verkehrsflächen zu reduzieren, um die Aufmerksamkeit für den Ort zu steigern. Die Landesstrasse auf Ihr notwendiges Maß zurückzudrängen, und Ihre Lage zu verschieben, auch wenn von Behördenseite keine 30 kmh Beschränkung zugelassen wird. Das Projekt wird zum Politikum und gerät in die Räder der Ortsparteimühlen.
Hochwasser 2002
Im Jahre 2002 ist der Marktplatz vom Hochwasser stark getroffen, dieser steht 120cm unter Wasser. Im Nachhinein betrachtet ein Glücksfall, werden doch die Anwohner animiert und dadurch gezwungen Ihre Fassaden zu sanieren.
Idee und Entwurfskonzept
12 Bäume markieren die neue Dorfmitte und bilden über die Jahre des Wachstums ein grünes Blätterdach. Sie bilden eine räumliches, autarkes Ordnungssystem im ungeordneten Bestand. Die Fläche, auf der Sie stehen, wird als Carreefläche bezeichnet und definiert die neue räumliche Mitte am Boden auch durch eine einheitliche Oberfläche. Die „Baumscheiben“ werden zusätzlich zu Bewuchsinseln, die über die Jahreszeit einen verschiedenfärbigen Blühzyklus anbieten. Das Farbspektrum ist dabei aber immer einheitlich über den Platz – gelb im Frühjahr, weiß im Sommer und lila im Herbst.
Umsetzung 2009
Das Projekt ist bis zu seiner Umsetzung starken Kontroversen ausgesetzt. Entscheidungen über das Material des Carrees, die Baumarten oder den Brunnen werden unter Beobachtung eines neutralen Moderators per Abstimmung und Wahl vorgenommen. Plakataktionen bis kurz vor Baubeginn runden die schwierige Aufgabe ab, Probebefahrungen der landwirtschaftlichen Interessensgemeinschaft finden während der Baustelle regelmäßig statt.
Die Elemente des Platzes und deren Materialität
Bäume – als ideale, robuste und der Umgebung angepasst, werden Ahornbäume gepflanzt
Bewuchsinseln – als dreidimensional geformte „Pflanzenschiffe“ aus Stahl, nehmen übernehmen Sie auch die Funktion der Sitzmöbel, der Grundbeleuchtung des Platzes und bieten über die Jahreszeit einen verschiedenfärbigen Blühzyklus an.
Carreefläche – die Carreefläche wird wie ein gelber Teppich über den Platz ausgebreitet. Ein robuster, eingefärbter, fugenloser Vermörtelungsbelag, dessen Oberfläche sandgestrahlt wird, bringt hier den notwendigen Kontrast zu den umgebenden Natursteinoberflächen.
Platzflächen außerhalb des Carrees – diese sind ausschließlich aus Granitkleinsteinen ausgeführt. Diese bilden durch Ihre Kleinteiligkeit die optimale Materialität, an die Ränder des Platzes anzuarbeiten und symbolisieren eine dem Fußgänger zur Benutzung gewidmete Oberfläche. Die gesamte neue Platzfläche konnte weitestgehend ohne höhenmäßige Barrieren ausgeführt werden.
Brunnen – der Brunnen ist als Metapher zur umliegenden Landschaft konzipiert. Die Wasserspeier symbolisieren die Zuflüsse Naarn und Aist. Die große Schale stellt die Donau dar, deren Schräglage die Unbeherrschbarkeit und Labilität des Flusses symbolisieren soll. Gebettet im Steinfeld, treten die drei Flüsse im Steinfeld hervor.
Kirchstiegenanlage – der neue Eingang in die Kirche ist ein wesentlicher Bestandteil des Projektes. Der Kirchenbesucher wird nun in Richtung Platz gelenkt, großzügig gepflasterte Zwischenpodeste erleichtern den Höhenunterschied zum Kircheneingang. Ein barrierefreier Zugang wurde an der Ostseite der Kirche geschaffen.