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Hinschauen, oder aufhören – Lisa D. 

Besuch bei unserer früheren „Bauherrin“ Lisa D. in Berlin: Damals, im Jahr 2000, bei unserem Projekt „Bienen“ haben wir alles auf den Kopf gestellt. Lisa D. ist bekannt für ihren unkonventionelle Zugang zu Mode, ihrer Darstellung und Rezeption – und so haben wir gemeinsam neue Wege beschritten … mit großer Fallhöhe.

Es war ein ganz besonderes Projekt, das wir mit Lisa D. im Jahr 2000 realisieren durften – und eigentlich die Weiterführung unserer „90 degree performance“-Projekt, das wird noch auf der Uni in Graz entworfen hatten. Im Wesentlichen ging es darum alles auf den Kopf zu stellen, keine unnötigen Ressourcen zu verbrauchen, Platz zu schaffen und Altbekanntes neu zu interpretieren. Diese Themen kommen immer wieder zurück – und wir stellen uns diese Fragen auch immer wieder. Danke an Lisa D. das wird damals diese außergewöhnliche Preformance räumlich inszenieren durften. Wir denken gerne zurück. Hier ein Update mit der Modedesignerin und ihren Gedanken zu den letzten 25 Jahren …

PROJEKT: „Bienen“ nahm die Kultur der damals gerade geplatzten New Economy aufs Korn und beschäftigte sich mit den fließenden Übergängen zwischen Arbeit und Freizeit, der sich modisch in der Umwertung von Arbeits- in Freizeitkleidung zeigt. Die »Models« – fast alles TänzerInnen und SportlerInnen – mussten dazu einen Parcour bewältigen, der sie aus einem 15m hohen Gerüstturm, der zugleich als Garderobe diente, über einen vertikalen Laufsteg auf einen Bartresen und an dessen Ende auf einen zweiten Gerüstturm führte, den sie am Ende per Rutschstange wieder verließen. Angesichts der vielen vertikalen Modenschauen, die ihr folgten, erwies sich diese Show, wie ich meine, als eine Art vorauseilende Parodie.

Lisa D: „Ich habe mich die letzten 25 Jahre mit den Hintergründen der Produktion von Textilien auseinandersetzt. In diversen Shows, Aufführungen, oder Performances wie „Boat people“ im Burgtheater bin ich den Arbeitsbedingungen auf den Grund gegangen. Aber irgendwie wollte ich dann weiter aus dem kulturellen Umfeld heraus und direkt das Verhalten von Menschen und ihrer Beziehung zur Kleidung verändern. 2011 habe ich dann das Veränderungsatelier „Bis es mir vom Leibe fällt“ gegründet, wo man direkt zu uns kommen konnte, um die Kleidung, die man schon hat, reparieren und verändern zu lassen. Im Zuge dessen habe ich den Verein gegründet, der sich mit Bildung beschäftigt. Seitdem unterrichten wir sehr viel in Schulen. Besonders zu dem Thema Upcycling. Wir hatten sehr viel Presse, sehr viel Unterstützung und haben viele Preise gewonnen, aber wir haben es ökonomisch leider nicht auf den Punkt gebracht – obwohl wir sehr bekannt waren. Das ist schade.

Aber Ende dieses Jahres kommt ein neues Projekt … zum Thema „Waren online bestellen und retournieren“ – mit spannenden Aspekten der Systems der Lagerung und der Transportwege… mit diesem Projekt sind wir nächstes Jahr auch wieder in Österreich, konkret in Graz, vertreten.“

 

Elisabeth Prantner/Lisa D (*1956, Klagenfurt) ist eine freischaffende Modeschöpferin, sie lebt in Berlin und Österreich. Seit 1984 produziert und präsentiert sie jährlich mehrere Kollektionen. In ihren zahlreichen Aktionen, Performances und Schauen, erzählt sie bis heute Geschichten in der Sprache der Mode. 2019 erschien ihr monografisches Buchobjekt „KLÄÄSCH. Zusammenstöße mit Kunst, Mode und anderen Disziplinen“.
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