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BIMOCAS 

Biogena Museum of Contemporary Art Salzburg

Standort: 5023 Guggenthal, Salzburg

Auftraggeber: Schmidbauer Business Immobilien GmbH

Planungsdaten: Sieger – geladener Wettbewerb Juli 2021

Bauwerksdaten: 2.600 m2 NF

Bauweise: STB / Kupfer-Fassadenplatten

Renderings: Sojin Seung

BIMOCAS
Biogena Art Gallery – OSCAR/BIMOCAS/ARTHOTEL/PESCO

Ort und Konzept

Der Bauplatz in der Gemeinde Koppl liegt nördlich der Wolfgangsee Straße – auch „Romantikstraße“ genannt, die die landschaftlich wunderschöne Region der Salzkammergutseen mit der Stadt Salzburg verbindet. Die gebaute, überaus heterogene Umgebung spannt den gestalterischen Bogen von einfachen Gewerbebauten, über Bauernhöfe und Einfamilienhäusern hin zu größeren Wohnungsanlagen. Dahinter liegt die wunderschöne, teils bewaldete Hügellandschaft des auslaufenden Salzkammergutes.

Das BIMOCAS liegt an einer ganz speziellen Schnittstelle zwischen Landschaft und Stadt, im Spannungsfeld zwischen Natur und (leider meist sehr unsensibler) Tektonik. Darüber hinaus gilt es die spannende Frage zu beantworten, wie ein Museum ohne das gewohnte, städtische Umfeld funktionieren kann. Statt städtischer Dichte gibt’s einen Überfluss an wunderbarer Landschaft, statt flanierenden Stadttouristen aus aller Welt gibt’s die Vielfalt der Natur.

Das Projekt reagiert unmittelbar auf die Einflüsse aus der Umgebung und bildet dieses Spannungsfeld als „transformativ, skulpturale Landschaftsarchitektur“ ab.

Gleich einem Keimling, schießt das Museum aus der Landschaft. Quasi aus ihr geboren schiebt es sich sanft aus dem Hang um am Ende zu sagen: „Seht her, hier bin ich – was ich bin müsst ihr allerdings selbst entdecken!“

Das Fragzeichen wird zum liegenden Rufzeichen.

Das Gebäude erstreckt sich entlang der Wolfgangsee Straße, nützt den Höhenunterschied des Grundstückes von insgesamt rund neun Metern. Es beginnt im Bereich der östlichen Einfahrt niveaugleich mit der bestehenden Landschaft und entwickelt sich über rund 90 Meter entlang der Straße zu einem Hochbau mit einer Höhe von ca. sieben Metern. Die Nähe zur Straße und die Aufmerksamkeit erregende Geschlossenheit des Projektes sorgen zum einen für eine starke Präsenz zum Straßenraum und den vorbeifahrenden Autos hin, zum anderen schützt es den dahinterliegenden Naturraum und spannt somit einen angenehm kontrollierbaren Außenraum mit sehr hoher Aufenthaltsqualität auf.

Die Ankommenden erschließen das Grundstück also von der östlichen Zufahrt her, rollen entlang des nördlichen Grundstücksrandes den flachen Hang runter, begleitet vom sanft ansteigenden Museumsbau der sie am westlichen Gebäudeende mit offenen Armen (oder offenem Mund ;-)) empfängt. Der Eingang ist durch ein hochgezogenes Gebäudeeck eindeutig markiert, die Orientierung selbstredend. Die Autos werden am westlichen Ende des Grundstücks, auf einem rund zwei Meter unterhalb des Museumsniveaus liegenden, mit Bäumen durchzogenen Parkplatz abgestellt. Sowohl die einladende, barrierefreie Zugangsrampe, als auch die kürzere Treppenanlage geleiten die Ankommenden zum BIMOCAS. Die Rampe ist bereits Teil des großzügig angelegten Skulpturengarten der sich entlang eines eingeschnittenen Weges den Hang hoch, am Museum vorbei bis aufs begehbare Dach des Ausstellungsgebäudes schlängelt.

Funktion und Organisation

  1. BIMOCAS _ Das Museum

Der langgestreckte Baukörper mit begrüntem Dach und leicht schräg gestellten Wänden, öffnet sich also den Ankommenden über ein hochgezogenes Gebäudeeck. Darunter liegt der dem Eingang vorgelagerte Vorplatz, der auch der Restaurantterrasse Platz gibt und durch eine diagonal verlaufende Glasfront als räumliche Erweiterung des Foyer- und Restaurantbereiches dient. Im Gebäudeinneren wird man durch einen langen Empfangstresen, der als Informationsstelle sofort Orientierung gibt und zum einen gleich in den Ausstellungsbereich oder den ums Eck gelegenen vertikalen Erschließungskern weiterleitet und zum anderen den Weg ins Restaurant markiert, begrüßt. Die Entdeckungsreise kann beginnen. Der Raum weitet sich und man taucht ein in die Welt der Kunst. Einladend spannt sich der Ausstellungsraum mit einer Höhe von rund sechs Metern auf und ermöglicht durch seine stützenfreie Dachkonstruktion alle nur erdenklichen Formen der Ausstellungs- und Kunstpräsentation. Von kleinzelligen Wandstrukturen für möglichst viel (unterschiedliche) Hängeflächen, bis hin zu völlig offenen Raumerlebnissen mit Raum für Skulpturen und sehr großen Bildern. Im hinteren Teil des Raumes überrascht ein eingeschnittener Belichtungshof mit wunderschönen Tageslichtsituationen und der Möglichkeit ein kurzes Päuschen im Freien einzulegen, zu entspannen, der aber natürlich auch abgedunkelt werden kann, falls die Kunst es erfordert. Im hintersten Teil – und somit klimatisch ideal, völlig vom Erdreich umschlossen befindet sich das Kunstlager und das Schaudepot, welches sich bei Bedarf großzügig zum Ausstellungsraum hin öffnen lässt.

Wieder retour zieht die BesucherInnen eine großzügige Sitztreppenlandschaft mit integrierten Präsentationspodesten weiter in die höher gelegene Ebene der Sonderausstellung. Auch diese stützenfreie Ausstellungsebene bietet maximale Flexibilität in der Bespielung und auch hier können sich die BesucherInnen an einem eingeschnittenen Lichthof erfreuen, der spannende Blicke auf den darunter liegenden Vorplatz des Museums bietet.

  1. OSCAR _ Die Büro-, Seminar- und Workshopebene

Direkt an den Erschließungskern angebunden liegt die Büroebene im Obergeschoß auf kurzem Weg vom Eingang erreichbar. Die kommunikative Erschließungszone vor den Büros weitet sich immer wieder auf und könnte wunderbare Blicke in den Bereich der Sonderausstellung freigeben. Die Büroräumlichkeiten selbst liegen an der nördlichen Außenwand und können so den wunderbaren Ausblick in die Salzkammergutlandschaft genießen. Der Seminarraum liegt zudem direkt an dem innenliegenden Belichtungshof.

  1. Das ARTHOTEL

Ebenso im Obergeschoß und auch direkt an den Erschließungskern angebunden befindet sich der Hotelbereich mit seinen sechs Doppelzimmern. „Nomen est Omen“ und so wird das „Arthotel“ zum integrativen Bestandteil der Museumslandschaft. Bereits der Gang zum Zimmer wird zur Ausstellungstour, die Gäste Teil der Inszenierung. Der Gang verzahnt sich galerieartig räumlich mit der großen Ausstellungshalle, bietet über verglaste Wände immer wieder spannende Einblicke in die darunter liegende Kunstsammlung. Die restlichen Wände eignen sich wunderbar für das Hängen von Bildern, welche auch direkt den gegenüberliegenden Zimmern zugeordnet werden können. Thematisch weiterführend könnten so die Zimmer in Ihrer Gestaltung und Namensgebung z.B. sechs unterschiedliche, Leitthemen aus der Kunst(geschichte) haben. Eins widmet sich dem Dadaismus, ein anders wieder bringt den Pointillismus auf den Punkt…

  1. PESCO _ Das Restaurant

Direkt vom Eingang erreichbar, weitet sich der Gastraum des Restaurants entlang der großen Glasfassade zum Vorplatz und den großen Lichthof hin auf und kann in den warmen Monaten großzügig in den Außenraum erweitert werden. Direkt angeschlossen liegt im Inneren des Gebäudes die Küche mit allen notwendigen Nebenräumen, sowie die entsprechenden WC-Anlagen.

Konstruktion und Material

Aufgrund der vielen erdanliegenden Wände, die im Übrigen für ideale und stabile klimatische Bedingungen für die Kunstwerke sorgen, liegt eine Stahlbetonbauweise nahe. D.h. sämtliche Außenwände, Bodenplatte und Decken werden in STB gebaut.

Die Dachkonstruktion – als gestalterischer Gegenpart – besteht aus einer Holzträger-Struktur die die gesamte Baukörperbreite von rund 20 Metern überspannt und als tektonisch abstrahierte Übersetzung eines Blätterdaches den gesamten Innenraum atmosphärisch auflädt. Jeder Teilbereich des Gebäudes wird so noch mehr als Teil des großen Ganzen verstanden. Das spannende Spiel zwischen Orthogonalität und Diagonalen wird auch zum gestalterischen Leitmotiv der Grundrisszuschnitte von Wänden und Räumen bis hin zur Möblierung.

Die dreieckigen Hohlräume der Tragstruktur werden zudem inhaltlich und gestalterisch weiter aufgeladen. So gibt es locker über den ganzen Deckenbereich verstreut immer wieder prismatische Verkleidungen aus Spiegelflächen, die unterschiedlich weit aus der Trägerebene nach unten ragen, Teil der Kunstlichtinszenierung sind und durch das heterogene Höhenspiel zusätzliche Tiefe in die Deckenstruktur bringen.

Die Fassadenflächen werden ebenso Teil dieser ornamenthaften Netz-Struktur und so wird der Körper mit einer Kupfer-Schindel-Fassade überzogen um durch seine kleinteilige Ornamenthaftigkeit die stark monolithische Gesamterscheinung des Projektes bestmöglich zu unterstützen. Kupferfassaden verändern über die Jahre ihre Erscheinung, legen eine Patina an und harmonisieren mit ihrer rötlich, braunen Erdigkeit wunderbar mit dem satten Grün der umgebenden Landschaft.

Text: David Birgmann, Juli 2021